Warum die BILD für Kant ein #Fail wäre

Was Immanuel Kant mit der Bild zu tun hat? Wie das ganze im Zusammenhang mit unserer heutigen Demokratie und sogar Zensursula steht? Diese Fragen werde ich in diesem Eintrag etwas näher beleuchten.

Dazu hole ich zunächst etwas weiter aus und bringe die Themen auf einen Gemeinsamen Nenner, nämlich die Aufklärung. Denn sowohl ich, als Autor dieses Textes, sehe mich als Kind der Aufklärung, Immanuel Kant war einer ihrer Vorreiter und die Demokratie ist salopp gesagt auch auf dem Mist der Aufklärung gewachsen. Was die Aufklärung ist, versuche ich möglichst kurz zusammen zu fassen. Frei nach Kant geht es bei der Aufklärung darum sich seines Verstandes zu bedienen um die eigene Unmündigkeit ab zu legen. Also: Verstand an, selber denken, nicht mehr nachplappern und anderen das Denken überlassen. Klingt soweit ja schonmal recht vernünftig und erklärt auch in gewisser Weise die Demokratisierung. Denn wenn das breite Volk nun immer emanzipierter wurde und selbst begonnen hat zu denken, hatten absolutistische Staatssysteme es immer schwerer.

Doch genug der Geschichtsstunden, hier soll es schliesslich um brandheisse und aktuelle Themen wie die Bild und Zensursula gehen. Wo ziehe ich also eine Verbindung? Ganz einfach, aus dieser Entwicklung heraus, baut die Demokratie natürlich auch auf Wähler welche „mündig“ sind. Welche also ihren Verstand eingeschaltet haben. Doch ist dies heute wirklich so? War die Aufklärung ein Erfolg und wir alle sind kritische, selbst denkende Wähler und Politiker die zusammen an einem Strang ziehen und konstruktive Diskurse zum Wohle dieses Landes führen? Ich fürchte dass es zu diesem Idealzustand noch ein weiter Weg ist. Denn wo vor 200 Jahren noch Kirche und Staat für die breite Masse vorgedacht haben, so tun dies heute meiner Befürchtung nach die Medien. Nicht umsonst hatte das Einknicken der SPD bei der Debatte um die Internet-Sperren den bitteren Beigeschmack der Ansgt vor der Springerpresse. Ähnliches ist ja in der Politik immer wieder zu sehen. Ständige Rücktrittsforderungen wegen Lapalien über die man doch auch einfach sachlich diskutieren könnte. Auch darin wie die SPD ihren Abgeordneten Tauss behandelt hat, sehe ich mehr Angst vor den Medien, als sachlichen Menschenverstand und Loyalität. Ausserdem führt diese Stimmenfixiertheit oft zu einer absoluten Vernunftresistenz. Denn wenn der Andere einmal recht hat, kann man ihm ja nicht einfach so zustimmen. Dann würde man ja öffentlich bekunden der andere habe recht und die Wähler könnten diesen Gedanken teilen und überlaufen. Oft zwingt die Angst um die Wählerstimmen, so mein Eindruck, die Politiker also dazu immer gegen die Vorschläge und Argumente aller anderen Perteien zu sein, selbst wenn diese einfach richtig sind.

Doch kann man ihnen dieses aus einem rein pragmatischen Standpunkt wirklich vorwerfen? Leider hat sich die Demokratie in unserem Land so entwickelt, dass das höchste Ziel der Parteien, noch vor dem Wohl des Volkes, die Stimmen der Wähler sind. Ich vermute das hat etwas mit dem uns allen angeborenen Selbsterhaltungstrieb zu tun, der auch vor Parteien nicht halt macht. Solange so grosse Teile der Wählerschaft eben nicht mündig sind, sondern sich ihre Meinung BILDen lassen, statt sie sich selbst zu erarbeiten, solange ist inhaltloses, populistisches, symbolpolitikbehaftetes Getue die ratio ultima, der beste Weg, für die Parteien um an ihre Stimmen zu kommen und sich selbst und ihre Macht zu erhalten.

Es ist ein wenig wie mit der Henne und dem Ei. Was war zuerst da? Heuchlerische Politiker oder unkritische Wähler die, wenn überhaupt, in den letzten Wochen vor den Wahlen einen kurzen Blick auf den Wahlkampf werfen, aber alles in den letzten 4 (oder gar 40?) Jahren davor schon längst wieder vergessen haben?  Ich würde also nicht bloss die Politiker an sich kritisieren, übertrieben gesagt passen diese sich ja nur den Umständen an. Die Wählerschaft trägt eine genau so grosse Mitverantwortung daran, wie es derzeit in diesem unserem Land läuft. Wären die Wähler nur etwas kritischer, so hätte die Politiker ganz andere Vorraussetzungen und müssten ernsthafte, durchdachte Entscheidungen treffen um ihr Ziel, die Wählerstimmen, zu erreichen. Ein Beispiel so ganz unter uns: Selbst der konservativste Wähler sollte dochwohl aufhorchen wenn man ihm am Donnerstag die Aussagen von Frau Krogmann vorzeigt, welche immer wieder beteuert, dass Niemand etwas anderes als dokumentierten Kindesmissbrauch sperren will. Doch nichtmal 24 Stunden später bekundet ihr Parteikollege Strobl, dass auch die Sperrung von „Killerspielen“ überdacht werde. Solange also derlei Fehlverhalten nicht von breiten Massen der Wähler abgestraft wird, sondern Symbolpolitik auch noch belohnt wird, solange werden unsere Politiker sich auch nicht ändern. Alle direkte Kritik an den Herrschaften in der Politik ist also schön und gut, ihr Effekt ist aber meiner Meinung nach recht beschränkt. Nämlich darauf, dass ggf. einige Wähler durch diese Kritik angeregt werden ihren Verstand ein zu schalten, zu ihrer Mündigkeit finden. Ein weitaus effektiverer Ansatz, so denke ich, ist es die Wähler selbst auf zu klären. Sie dazu anzuregen ihren Verstand zu benutzen und selber kritisch zu denken, statt die Parolen der Zeitung mit den Vier Buchstaben nach zu plappern.

In diesem Sinne möchte ich abschliessend Kant wörtlich zitieren: „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“1 … und dabei ist die BILD wohl als absolutes #Fail zu sehen.

Update: Anscheinend bin ich nicht der Einzige der manchmal an der Mündigkeit unserer Wähler zweifelt. Bathroom Reading berichtet darüber, dass anscheinend auch unsere Nachbarn im Süden langsam an uns zweifeln.

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Eine Antwort to “Warum die BILD für Kant ein #Fail wäre”

  1. […] Gedankenwelten: Warum die BILD für Kant ein #Fail wäre […]

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